Handwerk aus dem Knösterkotten

(100 Tage) Buchbinden


Ich habe mein erstes Buch 2018 gebunden. Damals habe ich einen Workshop bei Michaela besucht, noch in der Alten Dombach.Von da an war ich infiziert. Ich liebe es, dass ich beim Gestalten des Buches künstlerisch tätig werden kann, in dem ich z.B. drucke oder auch nähe. Und ich liebe es,im Buchbinden meine Liebe zum Handwerken ausüben zu können. Für mich die perfekte Verbindung!

Zuerst habe ich mir natürlich viel gekauft: Pappen, gemusterte Papiere für die Einbände oder neues Werkzeug wie Falzbein, Ahle oder eine Papierschneidemaschine (mit der ich allerdings schon länger liebäugelte). Einige Dinge benötigt man durchaus als Grundausstattung, jedoch habe ich im Laufe der Zeit festgestellt, dass ich nicht immer alles neu kaufen muss:

Papiere für den Einband gestalte ich gerne selbst. Oder ich greife auf den Fundus aus übriggebliebenen Resten aus dem Papiertauschpaket zurück. Für die Lagen des Buches nehme ich inzwischen fast ausschließlich aussortierte Papiere, die ich wahlweise von einer Druckerei bekomme oder bei uns im Betrieb aus der Altpapiertonne fische. Natürlich fällt auch im Haushalt immer wieder verwertbares Papier an und langsam aber sicher (spätestens nach einem wunderschönen Papierschöpfnachmittag mit zwei Freundinnen) beschleicht mich der Ehrgeiz, auch selbst geschöpftes Papier zu verwenden. Ich feile noch an der richtigen Technik.


Übrigens: im Podcast Wordgewandt (klick) gibt es einen Podcast mit mir, in dem ich von meiner Passion, Papier zu retten, berichte. Hört doch mal rein, es ist Folge 1.


Mittlerweile verwende ich auch Stoffe für meine Bücher, obwohl Nähen nie so richtig meins war. Aber es hat mich auch nie losgelassen, und nachdem ich eine für mich passende Technik er- und gefunden hatte, wuchs auch die Nähfreude. 

2019 habe ich dann beschlossen, mich 100 Tage am Stück mit der Buchbinderei zu beschäftigen. Ich finde es reizvoll, Projekte über einen so langen zeitraum zu begleiten, denn man kann viel mehr in die Tiefe gehen.

Außerdem war es hilfreich, manche Arbeitsschritte einfach in Serie zu werken, durch die Routine habe ich Erfahrung sammeln können und Fehler in meiner Arbeitsweise besser aufdecken können.

Und natürlich gabe es eine Vielzahl an Dingen, die ich auch unbedingt testen wollte: Zierstichbindungen, bei denen die Bindung auf dem Buchrücken eine attraktive Ansicht ergibt. Oder das Kapitalband selbst stechen, was einem sehr viel mehr Freiheit und Möglichkeiten in der Gestaltung gibt.


Über das Projekt berichte ich - unter anderem - im blauen Sommerinterview mit Michaela und Susanne. Bitte hier entlang...


Leider habe ich das 100-Tage-Experiment falsch getimet. Zum Ende des Herbstes wurd es vorweihnachtlich-stressig und am Ende habe ich nur 50 Tage Bücher gebunden. Aber ich denke, das werde ich nochmal angehen.